Unterstützung bedürftiger Personen: Unterhalt für 2022 bereits im Januar leisten!

Unterstützung bedürftiger Personen: Unterhalt für 2022 bereits im Januar leisten!

Wer Angehörige finanziell unterstützt, darf seine Zahlungen als außergewöhnliche Belastungen besonderer Art steuerlich geltend machen (§ 33a Abs. 1 EStG). Im Jahre 2022 sind bis zu 9.984 Euro abziehbar. Eine zumutbare Belastung wird dabei nicht gegengerechnet, wohl allerdings eigene Einkünfte und Bezüge der unterhaltenen Person, soweit diese 624 Euro im Kalenderjahr übersteigen. Wichtig ist aber, dass die Zahlungen zu Unterstützung bedürftiger Personen zu möglichst frühzeitig geleistet werden, am besten bereits im Januar.

Hintergrund ist, dass sich der Höchstbetrag von 9.984 Euro um jeden vollen Kalendermonat mindert, in dem die Voraussetzungen für den Abzug der Unterhaltsleistungen nicht vorgelegen haben. Da Unterhaltsleistungen nach Ansicht der Finanzverwaltung nicht auf Monate vor ihrer Zahlung zurückbezogen werden dürfen, würde eine Zahlung erst im April 2022 also dazu führen, dass die ersten drei Monate mitunter steuerlich verloren sind.

Wer erst im Dezember die Unterstützung gewährt, verliert gegebenenfalls sogar elf Monate. Der Bundesfinanzhof hat diese Haltung mit Urteil vom 25.4.2018 (VI R 35/16) für zutreffend befunden.

Beispiel:
Der Sohn leistet im Dezember 2022 eine Unterhaltszahlung in Höhe von 3.000 Euro an seinen mittellosen Vater im Ausland. Die Unterhaltsleistung ist für ein ganzes Jahr bestimmt. Eine monatliche Zahlung ist wegen der hohen Gebühren für Auslandsüberweisungen nicht sinnvoll.

Das Finanzamt wird diese Zahlung jedoch nur mit einem Zwölftel des Höchstbetrages von 9.984 Euro, also 832 Euro, anerkennen, da Unterhaltsleistungen nur absetzbar sind, soweit sie dem laufenden Lebensbedarf der unterhaltenen Person im Kalenderjahr der Leistung dienen.

Gegebenenfalls ist der Betrag bei der Unterstützung bedürftiger Personen – je nach Wohnsitzstaat des Empfängers – noch entsprechend der sogenannten Ländergruppeneinteilung zu kürzen. Der BFH stützt dieses Ergebnis.

SteuerGo

Das Urteil verdeutlicht, wie wichtig es ist, eine größere Unterhaltszahlung stets im Januar zu leisten. Das heißt: Eine Unterhaltszahlung im Januar ist in vollem Umfang – begrenzt auf den Unterhaltshöchstbetrag – absetzbar, eine Zahlung im Dezember wird jedoch nur mit maximal einem Zwölftel des Höchstbetrages berücksichtigt.

Bei Zahlungen an den im Ausland wohnenden Ehegatten stellt sich das Problem übrigens nicht. Hier darf aus Vereinfachungsgründen stets davon ausgegangen werden, dass die Unterhaltsleistungen zur Deckung des Lebensbedarfs des gesamten Kalenderjahrs bestimmt sind. Allerdings ist der Abzug von Unterhaltszahlungen an den Ehegatten ohnehin nur möglich, wenn nicht die Voraussetzungen der Zusammenveranlagung vorliegen (BMF-Schreiben von 7.6.2010, BStBl 2010 I S. 588).

20 Kommentare zu “Unterstützung bedürftiger Personen: Unterhalt für 2022 bereits im Januar leisten!”:

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo Peter,

      bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei individuellen Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      SteuerGo.de

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo Madelaine,

      Sie können die Unterhaltsleistungen an Ihre Mutter in der Steuererklärung als „Unterhaltsleistungen an bedürftige Personen“ geltend machen.

      Unterhaltsleistungen sind bis zum Höchstbetrag von 9.984 Euro für 2022 (2021: 9.744 Euro) als außergewöhnliche Belastungen ohne Anrechnung einer zumutbaren Belastung absetzbar. Angerechnet werden allerdings eigene Einkünfte und Bezüge der unterstützten Person, die über 624 Euro pro Jahr liegen. Gekürzt werden der Unterhaltshöchstbetrag und Anrechnungsfreibetrag gemäß der Ländergruppeneinteilung um ein, zwei oder drei Viertel, wenn der Unterhaltsempfänger in einem Land mit niedrigerem Lebensstandard lebt.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      SteuerGo.de

  1. Jana Schilling

    Hallo,

    ich unterstütze einen Menschen aus einem anderen Land, der hier studieren will, aber aufgrund des notwendigen Studienkollegs nicht arbeiten darf. Kann ich auch die Hilfe für einen Freund (keine Familie) steuerlich absetzen?

    Vielen Dank!

    Mit freundlichen Grüßen

    Jana

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo Jana,

      die unterstützte Person muss gegenüber Ihnen oder Ihrem Ehepartner bzw. eingetragenen Lebenspartner nach deutschem Recht unterhaltsberechtigt sein.

      Unterstützen Sie eine nicht unterhaltsberechtigte Person, mit der keine sozialrechtliche Bedarfsgemeinschaft besteht, kommt bei Notlagen ein Abzug Ihrer Aufwendungen als allgemeine außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG in Betracht. Außerdem gibt es Sonderregelungen, wenn Sie z. B. Bürger­kriegs­flücht­linge unterstützen und Sie sich gegen­über der Ausländerbehörde verpflichtet haben, sämtliche Unter­halts­kosten der geflüchteten Person zu über­nehmen.

      Sie sollten in diesem Fall auf jeden Fall eine steuerliche Beratung in Anspruch nehmen.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      SteuerGo.de

  2. Andreas Frakowiak

    Sehr geehrter Herr Rudolph,

    meine türkische Freundin unterstützt ihre Mutter und ihren Bruder in der Türkei finanziell. Im Jahr 2021 waren es insgesamt 11200 Euro. Die Unterlagen der Heimatbehörde liegen vor.
    Meine Frage: In welches Formular bei ihrer Einkommensteuererklärung gehören diese Zahlungen eingetragen?
    Vielen Dank.
    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo Andreas,

      alle Angaben erfassen Sie in diesem Fall in der Anlage Unterhalt an bedürftige Personen.

      Wenn Sie SteuerGo nutzen, können Sie die geleisteten Unterhaltszahlungen im Bereich „Außergewöhnliche Belastungen“ unter dem Punkt „Außergewöhnliche Belastungen in besonderen Fällen“ erfassen.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      SteuerGo.de

  3. Susann Valleriani

    Sehr geehrter Herr Rudolph,
    kann ich die Zahlungen an meine volljährigen Kinder in Ausbildung (ich erhalte auch Kindergeld) wie z.B. Miete, Fahrtkosten usw. steuerlich geltend machen?
    Vielen Dank!
    Beste Grüße,
    Susann

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo Susann,

      wenn Sie Kindergeld erhalten, geht die Finanzverwaltung davon aus, dass damit alle Kosten für das Kind abgegolten sind – und dazu zählen die Kosten für ein Studium.

      Neben dem Kindergeld bzw. dem Kinderfreibetrag haben Sie aber bei volljährigen Kindern noch Anspruch auf den Ausbildungsfreibetrag in Höhe von maximal 924 Euro pro Jahr, wenn Ihr Kind nicht im Haushalt der Eltern lebt und studiert oder sich in Ausbildung befindet.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      SteuerGo.de

  4. Jakob

    Sehr geehrter Herr Rudolph,

    ich unterstütze meinen in Deutschland lebenden und bedürftigen Vater, 70 und kein eigenes Einkommen, er hat auch keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Darf ich nur den Höchstbetrag von 9984 Euro steuerlich absetzen oder zusätzlich auch Wohnkosten die ich zahle? Ich habe ein Haus mit 110 qm und 4 Zimmern gemietet. Darf ich die hälfte der Miete (2 Zimmer bewohnt mein Vater) zusätzlich zu den 9984 Euro steuerlich geltend machen?

    Vielen Dank!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Jakob

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo Jakob,

      Unterhaltsleistungen sind bis zum Höchstbetrag von 9.744 Euro (2021) als außergewöhnliche Belastungen ohne Anrechnung einer zumutbaren Belastung absetzbar. Angerechnet werden allerdings eigene Einkünfte und Bezüge der unterstützten Person oberhalb von 624 Euro pro Jahr.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      SteuerGo.de

  5. Renate

    Sehr geehrter Herr Rudolph,

    ich möchte die Familie meines Sohnes finanziell unterstützen, da seine (unverheiratete) Lebenspartnerin mit meinem 2. Enkel schwanger ist und das Geld nach der Geburt nicht mehr ausreichen wird. Kann ich dieses steuerlich geltend machen? Mein Sohn ist vollzeitig berufstätig und seine Lebenspartnerin wird ein wenig Elterngeld erhalten, da sie nach der Geburt des 1. Kindes nur Teilzeit gearbeitet hat.

    Ich bedanke mich für Ihre Rückmeldung.

    Herzliche Grüße

    Renate

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo Renate,

      Unterhaltsleistungen sind bis zum Höchstbetrag von 9.744 Euro (2021) als außergewöhnliche Belastungen ohne Anrechnung einer zumutbaren Belastung absetzbar. Angerechnet werden allerdings eigene Einkünfte und Bezüge der unterstützten Person oberhalb von 624 Euro pro Jahr, d. h. der abzugsfähige Betrag verringert sich um jeden Euro, der den Betrag von 624 Euro übersteigt.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      SteuerGo.de

  6. Maria

    Sehr geehrter Herr Rudolph,

    müssen meine Eltern die finanzielle Unterstützung, die ich ihnen gebe, damit sie ihre Rechnungen und Miete bezahlen können (mehr als der absetzbare Höchstbetrag) bei sich versteuern?

    Vielen Dank im Voraus für ihre Rückmeldung

    Herzliche Grüße

    Maria

  7. Monika Sterzing

    Guten Tag,
    Mein Enkel ist selbständig. Wenn die Auftragslage es nicht hergibt dass er alle Kosten begleichen kann (Miete Strom udgl) unterstütze ich ihn.
    Kann ich das auch steuerlich geltend machen? Ich muss meine Rente auch versteuern.

    Gruss Monika

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo monika,

      wenn man an einen Angehörigen Unterhaltsleistungen zahlen, können diese als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen, ohne dass eine zumutbare Belastung angerechnet wird. Die Unterstützungszahlungen sollten unbar (per Überweisung) erfolgen, damit diese gegenüber dem Finanzamt nachgewiesen werden können.

      Der Unterhaltshöchstbetrag beträgt aktuell für 2022 10.347 Euro. Der Unterhaltshöchstbetrag wird häufig nicht in dieser Höhe gewährt, sondern gekürzt. Und zwar um ein Zwölftel für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen nicht gegeben sind, und um eigene Einkünfte und Bezüge des Unterhaltsempfängers, die über den Anrechnungsfreibetrag von 624 Euro hinausgehen.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      SteuerGo.de

  8. Renate

    Guten Tag,
    meine Tochter möchte mich finanziell mit einem monatl ‚Taschengeld‘ unterstützen, da ich nur 400€ Erserbsminderungsrente erhalte. Welche Nachweise muss sie erbringen, um es steuerlich geltend machen zukönnen? Spielt die Höhe des Betrages eine Rolle? Muss ich diese Zuwendung versteuern und In welcher Höhe?
    Ich bin verheiratet und hatte in den letzten Jahren meiner Berufstätigkeit die Steuerklasse V

    Ich bedanke mich für eine Rückmeldung, wünsche einen schönen Tag und vrebleibe
    mit besten Grüßen
    Renate

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo Renate,

      wenn man an einen Angehörigen Unterhaltsleistungen zahlen, können diese als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen, ohne dass eine zumutbare Belastung angerechnet wird. Die Unterstützungszahlungen sollten unbar (per Überweisung) erfolgen, damit diese gegenüber dem Finanzamt nachgewiesen werden können.

      Der Unterhaltshöchstbetrag beträgt aktuell für 2022 10.347 Euro. Der Unterhaltshöchstbetrag wird häufig nicht in dieser Höhe gewährt, sondern gekürzt. Und zwar um ein Zwölftel für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen nicht gegeben sind, um eigene Einkünfte und Bezüge des Unterhaltsempfängers, die über den Anrechnungsfreibetrag von 624 Euro hinausgehen.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      SteuerGo.de

  9. Jennifer

    Hallo,
    ich möchte meinen Ehepartner mit einem Taschengeld unterstützen. Er ist selbstständig und verdient wenig. Ich verdiene deutlich mehr, angestellt und nebenberuflich selbsttändig. Zusätzlich bleibt er zu Hause uns kümmt sich um das Kind, damit ich Geld verdienen kann.

    Darf ich diese Kosten (Taschengeld an Ehepartner) als ausgewöhnliche Belastung (wird ja wohl kaum eine Betriebsausgabe in der Selbstständigkeit sein) und er als Einkommen in der Einkommenssteuererklärung geltend machen?

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