Plötzlich selbstständig – Vorsicht bei der Professionalisierung

Plötzlich selbstständig - Vorsicht bei der Professionalisierung

Manch einem eifrigen Hobbyisten ist es bereits passiert: Aus einer puren Freizeitbeschäftigung wurde mit einem Schlag eine selbstständige Tätigkeit – manchmal sogar, ohne dass der Ausübende es selbst bemerkte. Leider schläft das Finanzamt in diesem Fall selten, und es kommt zu einigem Ärger, wenn Sie in den Verdacht geraten, ihr Gewerbe mit voller Absicht nicht angemeldet zu haben. Wir werfen einen Blick auf mögliche Fallstricke, damit Sie gut gerüstet sind.

Wie definiert sich eine selbstständige berufliche Tätigkeit und was unterscheidet sie von einem reinen Hobby? Zuerst einmal muss eine nachhaltige Absicht zur Gewinnerzielung vorliegen, damit man überhaupt von einer Professionalisierung sprechen kann. Wer einmal im Jahr ein paar Kerzen für den Weihnachtsmarkt gießt und damit vielleicht ein paar Hundert Euro verdient, ist normalerweise kein echter Gewerbetreibender. Hierbei gilt eine Grenze von 256 Euro und die Pflicht, keine Rechnung mit offen ausgewiesener Umsatzsteuer auszustellen. Viele Hobbyisten jedoch investieren mehr in ihre Freizeitbeschäftigung; als sie jemals an Gewinn einfahren könnten: In diesem Fall ist die Sachlage völlig klar, denn hier handelt es sich eindeutig um eine Liebhaberei. Im Zweifelsfall ist es aber immer besser, sich mit dem Finanzamt in Verbindung zu setzen und den konkreten Sachverhalt zu besprechen, um eine sichere Basis zu haben.

In einigen Fällen geht die Entwicklung ganz allmählich voran und aus roten Zahlen werden eines Tages schwarze. Die Frage, die Sie sich in diesem Fall möglichst früh stellen sollte, lautet: Möchte ich mit meinem Hobby wirklich die nächste Stufe erklimmen, Einnahmen generieren und Steuern abführen wie ein echter Selbstständiger?

Aktuell fragen sich beispielsweise viele Pokerspieler, ab wann sie in ihrer Disziplin zum Profi werden. Das Kartenspiel hat in den letzten Jahren durch den immer stärker werdenden Online-Andrang an Popularität gewonnen. Regelmäßig qualifizieren sich bis dato unbekannte Amateure auf virtuellem Weg für große Turniere mit der Chance, höhere Summen abzuräumen. In dieser Disziplin kann es also recht schnell geschehen, dass die Grenze zwischen Hobby und professioneller Tätigkeit schlagartig fällt. Das Thema ist deshalb Gegenstand andauernder Rechtsstreitigkeiten. Festzuhalten bleibt, wer regelmäßig an einem oder mehreren internationalen Wettbewerben aus der Branche teilnimmt, begibt sich in selbstständiges Terrain. Es ist also durchaus sinnvoll, zuvor einen individuellen Plan zu erstellen, wohin die Reise im Poker langfristig gehen soll. Das Finanzamt wird es Ihnen danken. Doch nun zurück zu den Basics.

Unser Rat: Kassenbuch führen und Geldfluss dokumentieren

Wer in Verdacht gerät, eine verdeckte selbstständige Tätigkeit statt eines reinen Hobbys auszuüben, der sieht sich plötzlich gegenüber dem Finanzamt in der Nachweispflicht. Dann ist es von großem Vorteil, ein sorgfältig geführtes Kassenbuch mit sämtlichen Einnahmen und Ausgaben vorweisen zu können. Wichtig sind vor allem die Ausgaben, denn die liegen meistens höher als der durchschnittliche Finanzbeamte es erwartet. Material- und Werkzeuganschaffung sind hier ebenso so berechnen wie Anfahrtswege zum Einkauf oder zu einschlägigen Veranstaltungen. Der durchschnittliche Hobbyist gerät hier schnell sehr deutlich ins Minus. Bei höheren Plussummen hingegen sollten Sie sich freiwillig beim Finanzamt melden, bevor womöglich schwarze Wolken aufziehen.

Die Kleinunternehmer-Regelung als Übergangsphase

Viele Menschen sehen es allerdings sogar als förderlich an, ein viel geliebtes Hobby zum Beruf umzufunktionieren. Dabei nutzen sie gern die Übergangsstufe des Kleinunternehmertums, um sich langsam an die vollzeitliche Tätigkeit heranzutasten. Seit dem Jahr 2020 zählen Sie mit einem Umsatz von bis zu 22.000 Euro noch zu denjenigen Selbstständigen, die keine Umsatzsteuer veranschlagen müssen. Auch müssen Sie als Kleinunternehmer nur eine vereinfachte Buchführung vorweisen, also die Einnahmen und Ausgaben ganz schlicht in einem Journal dokumentieren. Die vereinfachten Regeln machen es leichter, sich in die neue Rolle des Gewerbetreibenden oder Freiberuflers einzufügen. Spätestens, wenn der Umsatz auf mehr als 22.000 Euro steigt, ist die Hobbyfrage ohnehin nicht mehr relevant, dann dient die Tätigkeit als echter Broterwerb.

Vorsicht, Falle! „Scheinselbstständigkeit“ vermeiden

Eine weitere Falle lauert an einer Stelle, die seltener Beachtung findet: Selbstständigkeit bedeutet immer auch, nicht direkt weisungsgebunden zu sein. Wer sich allein an einen einzigen Auftraggeber kettet, und das über einen längeren Zeitraum, der wird meistens nicht als echter Selbstständiger, sondern als Scheinselbstständiger angesehen – schon gar nicht, wenn er auch noch hauptsächlich in den Räumlichkeiten seines „Kunden“ tätig ist. Wer jedoch mit einem einfachen Hobby startet, ohne die bewusste Absicht, damit regelmäßiges Einkommen zu generieren, gerät recht leicht in diese Falle. Spätestens dann, wenn es mit der Professionalisierung richtig ernst wird, müssen Sie sich also entscheiden: Gehe ich einen Arbeitsvertrag mit meinem festen Auftraggeber ein – oder suche ich mir weitere Kunden, die ich bedienen kann.

Persönlicher Aspekt: Will ich wirklich mein Hobby zum Beruf machen?

Neben dem finanziellen und steuerrechtlichen Aspekt steht natürlich immer auch die Frage im Raum, ob dabei auch das Herz mitspielt: Wenn das Hobby zum Beruf wird, dann kann es durchaus sein, dass Sie eines Tages den Spaß daran verlieren. Denn spätestens dann, wenn Sie sich auf ein gewisses monatliches Einkommen verlassen, steht ein echtes „Muss“ dahinter. Viele Menschen, die diesen Weg hinter sich haben, können ihre einstige Freizeitbeschäftigung nun kaum noch zur Entspannung nutzen, weil sie schlichtweg zur täglichen Arbeit wurde. Die Entscheidung, diesen Weg zu gehen, nimmt Ihnen keiner ab. Aber Sie können rechtzeitig auf die Bremse treten – oder das Gaspedal kräftig drücken.

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